Welche Keywords Lohnen Sich Für Mein Geschäft Nicht?
Die gängige Praxis, Keywords primär nach Suchvolumen zu priorisieren, führt in der Realität oft zu ineffizienten Budgetallokationen und enttäuschenden ROI-Werten. Wir sehen regelmäßig, wie Unternehmen signifikante Investitionen in Keywords tätigen, die zwar Traffic generieren, jedoch keine qualifizierten Leads oder Verkäufe. Eine fundierte Keyword-Analyse muss über das reine Suchvolumen hinausgehen und die tatsächliche Geschäftsrelevanz sowie die Conversion-Wahrscheinlichkeit in den Mittelpunkt stellen. Es geht darum, Keywords zu identifizieren, die trotz Volumen keine Conversions bringen oder zu hohe Kosten verursachen, um Ressourcen effizient einzusetzen.
Annahme: Ein hohes Suchvolumen ist immer gut.
Antwort: Ein hohes Suchvolumen ist zunächst attraktiv, kann aber trügerisch sein. Nehmen wir das Beispiel eines B2B-SaaS-Anbieters für Projektmanagement-Software. Keywords wie „kostenlose Projektmanagement-Vorlage“ mögen ein Suchvolumen von 10.000+ pro Monat aufweisen. Investiert das Unternehmen hier, generiert es zwar Traffic, aber überwiegend von Nutzern, die nach kostenlosen Lösungen suchen und keine Kaufabsicht für ein kommerzielles Produkt haben. Die Absprungrate liegt hier oft bei über 70%, die Conversion Rate unter 0,5%. Der CPC für solche generischen Begriffe kann schnell 2–3€ erreichen. Selbst bei einer hohen Klickrate von 5% entstehen hier erhebliche Kosten von 100–150€ pro 1.000 Impressionen, ohne dass qualifizierte Leads generiert werden. Die vermeintlich günstigen Klicks akkumulieren sich zu einem teuren Missverständnis. Wir priorisieren hier Keywords mit geringerem Suchvolumen, aber hoher Kaufabsicht, wie „Projektmanagement Software für Agenturen“ oder „Agile Projektplanung Tool Vergleich“, auch wenn diese nur 500–1.000 Suchen/Monat aufweisen. Der Fokus liegt auf der Conversion Rate (>2% für Non-Brand) und einem CPA, der unter 50% des Customer Lifetime Value liegt.
Annahme: Alle Keywords, die zum Thema passen, sind relevant.
Antwort: Die thematische Passung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Relevanz. Ein E-Commerce-Shop für hochwertige Kaffeemaschinen mag Keywords wie „Kaffee zubereiten“ oder „Kaffeearten“ als thematisch passend empfinden. Doch der Suchintent dahinter ist meist informational, nicht transaktional. Nutzer suchen nach Anleitungen oder Informationen, nicht nach einem Produktkauf. Die Conversion Rate für solche Begriffe liegt erfahrungsgemäß unter 0,8%, während Keywords wie „Siebträgermaschine kaufen“ oder „Espressomaschine Testsieger“ eine CR von 3-5% erreichen. Ein typischer Fehler ist es, Budget in Content zu investieren, der zwar Traffic auf diese breiten Keywords zieht, aber keine direkte Brücke zum Produkt schlägt. Nach 4–6 Monaten zeigt sich in Google Analytics, dass diese Seiten zwar viele Besucher haben, aber die Verweildauer gering ist und kaum Conversions stattfinden. Die Analyse der Absprungrate für Landingpages, die auf solche Keyword-Cluster optimiert sind, ist hier ein entscheidendes Warnsignal. Werte über 70% sind ein klares Indiz für eine Diskrepanz zwischen Suchintention und Angebot.
Annahme: Negative Keywords sind nur für Google Ads wichtig.
Antwort: Diese Annahme ist fundamental falsch und limitiert die Effizienz der gesamten Suchstrategie. Negative Keywords sind nicht nur ein taktisches Werkzeug für Google Ads, um irrelevante Klicks zu vermeiden. Sie sind ein strategisches Element, um die Suchintention zu schärfen und Ressourcen sowohl im Paid als auch im Organic Search zu bündeln. Wenn ein Unternehmen beispielsweise hochpreisige Beratungsdienstleistungen anbietet, sollten Begriffe wie „kostenlos“, „gratis“, „selber machen“ oder „Anleitung“ konsequent als negative Keywords implementiert werden – nicht nur in Google Ads, sondern auch implizit in der Content-Strategie für SEO. Das bedeutet, keine Inhalte zu erstellen oder zu optimieren, die primär auf diese irrelevanten Suchanfragen abzielen. Wir empfehlen eine monatliche Überprüfung der Suchanfragenberichte in Google Ads und der Google Search Console, um neue, irrelevante Suchbegriffe zu identifizieren und als negative Keywords hinzuzufügen. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, der die Qualität des Traffics stetig verbessert und den CPA senkt. Ein effektives Management negativer Keywords kann den ROAS um 10-20% steigern, indem es Streuverluste minimiert.
Priorisierungsliste: Keywords, die nicht lohnen
Die folgende Liste bietet eine Orientierung, welche Keyword-Typen trotz scheinbarer Attraktivität in der Regel keine effizienten Ergebnisse liefern und priorisiert aus der Strategie entfernt oder stark eingeschränkt werden sollten.
| Priorität | Keyword-Typ | Begründung | Beispiel (für SaaS-Produkt) |
|---|---|---|---|
| Hoch (Entfernen/Ausschließen) | Informationslastige Keywords ohne Kaufabsicht | Hohes Suchvolumen, aber sehr geringe Conversion-Wahrscheinlichkeit. Nutzer suchen Wissen, nicht Produkte. Hohe Absprungraten (>70%). | „Was ist Projektmanagement?“, „Projektplanung Anleitung“ |
| Hoch (Entfernen/Ausschließen) | Kostenlose/Gratis-Keywords | Zielen auf Nutzer ab, die keine Zahlungsbereitschaft haben. Führen zu Traffic, aber keinen qualifizierten Leads. | „kostenlose Projektmanagement Software“, „gratis Vorlagen“ |
| Mittel (Stark einschränken/Nur für Branding) | Sehr generische Begriffe mit hohem Wettbewerb | Hohe CPCs (>5€), niedrige CR (<1%) aufgrund breiter und oft unklarer Suchintention. Hoher Ressourcenaufwand für geringen Output. | „Software“, „Tools“, „Management“ |
| Mittel (Stark einschränken/Nur für Branding) | Keywords mit falschem Produktfokus | Nutzer suchen nach einem anderen Produkt/einer anderen Lösung, die nicht angeboten wird. | „CRM Software“ (wenn man Projektmanagement anbietet) |
| Niedrig (Beobachten/Ggf. ausschließen) | Sehr spezifische Long-Tail-Keywords mit extrem geringem Suchvolumen (<10 Suchen/Monat) ohne ersichtliche Kaufabsicht | Der Aufwand für die Optimierung und das Monitoring übersteigt den potenziellen Nutzen, es sei denn, die Kaufabsicht ist extrem hoch. | „Projektmanagement Software für kleine Tischlerei in Bielefeld mit 3 Mitarbeitern“ |